Fremdwort Wirtschaft
Mindestlohndebatte, der Neo-Liberalismus-Vorwurf von Kurt Beck, die zurück liegenden Anti-Globalisierungsdemonstrationen von Rostock und Heiligendamm – all dies kreist um ein Thema, das Ludwig Erhard zeitlebens auch zu seinem Thema gemacht hat Wie viel verstehen die Menschen von den Grundprinzipien unserer Wirtschaft? Wie groß ist ihr Wissen um die Mechanismen unseres Marktes? Schon zu Beginn der 20er Jahre hat Erhard sich mit der Markt- und Meinungsforschung beschäftigt. Dabei interessierten ihn nicht nur die quantitativen Aussagen der Untersuchungen, sondern auch die Motive und Gedanken der Menschen. Auf die Dauer kann zwar keine demokratische Regierung Politik gegen die öffentliche Meinung machen, sie darf sich aber ebenso wenig zu ihrem Sklaven machen. Erhard erinnert an eine Repräsentativbefragung des Bayerischen Rundfunks über das wirtschaftliche Verhalten der westdeutschen Bevölkerung aus dem Jahr 1960.
88 Prozent der erwachsenen deutschen Bevölkerung bezeichnete die damalige wirtschaftliche Lage als sehr gut, gut oder mittelgut. Die Untersuchung zeigte mir aber auch mit großer Deutlichkeit, dass wir in Deutschland noch große Anstrengungen unternehmen müssen, um die Kenntnisse der wirtschaftlichen Zusammenhänge zu vertiefen. So sehr ich mich selbst und mein Ministerium um die Verbreitung dieser Kenntnisse in den letzten zwölf Jahren bemüht habe, so zeigt sich doch, wie groß hier die Lücken sind. Vieles lässt sich nur durch die Schwierigkeit mancher dieser Fragen erklären, anderes wiederum nur als Folge von Mängeln im Lehrplan unserer Schulen. Der Wirtschaftsminister, dazu noch der des Bundes, ist aber nicht der Minister, der für den Unterricht in den Volks- und höheren Schulen verantwortlich ist. Ich glaube, hier sind Fragen angesprochen, die nur in einer engen Zusammenarbeit mit den Ländern, die für diese Fragen zuständig sind, gelöst werden können. Wie gelingt es uns, die Jugend stärker mit den Grundfragen der Wirtschaft und des wirtschaftlichen Alltags vertraut zu machen? Ich will damit weiß Gott keiner Ökonomisierung des Lebens das Wort reden; aber ich bin doch sehr erschrocken, wenn ich sehe, wie wenig Schulentlassene, ja auch Erwachsene, von diesen Dingen – auch nur vom allgemeinsten her – verstehen, obgleich das Wirtschaftliche ihr Leben und das des ganzen Volkes mitformt und mitbestimmt. Es ist nicht Hohn und Spott, wenn ich dazu sage, dass das vielleicht der Grund dafür ist, warum sich in Wirtschaftsfragen alle für sachverständig halten.
Erhard-schreibt-wieder ist ein Angebot der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

2009 wird das Grundgesetz 60 und Deutschland feiert zum 20. mal seine Wiedervereinigung. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz im geteilten und zerstörten Deutschland in Kraft, das Fundament für die Erfolgsgeschichte unseres Landes. Zentraler Bestandteil darin ist die Soziale Marktwirtschaft. Sie ermöglichte das „Wirtschaftswunder“ und den nachhaltigen Aufstieg Deutschlands zu einer der wohlhabendsten Nationen der Welt. Ludwig Erhard war der geistige Vater der Sozialen Marktwirtschaft und hat sie als Politiker durchgesetzt. Eigentlich sollte Erhard in Zeiten wie diesen deshalb heute wieder in aller Munde sein. Wir von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) lassen ihn wieder schreiben…

Am 2. März 2009 um 03:29 Uhr
Gut!