Die süssen Klänge der Politik
Brauchen wir noch mehr Reformen oder doch eher eine Pause? Überfordert uns das Tempo der Veränderungen? Das sind Fragen, die viele Menschen sich zur Zeit stellen, wenn – wie jetzt – die Wirtschaft in unserem Land zurzeit gerade einen Aufschwung erfährt. Ludwig Erhard hat schon 1956 in einer Rundfunkansprache seine Hörer davor gewarnt, auf allzu verführerische, süße Klänge in der Politik nicht zu vertrauen:
Verteidigen Sie selbst die Sicherheit Ihrer Arbeitsplätze oder den Fortbestand Ihrer unternehmerischen Existenz am besten, wenn Sie mit mir darauf vertrauen, dass der Egoismus – ob er individualistisch oder gruppenmäßig zutage tritt – am wenigsten geeignet erscheint, uns allen eine glückliche Zukunft zu sichern. Wir haben praktisch demonstriert, wie unfruchtbar, ja geradezu verderblich es ist, wenn wir um die angeblich gerechten Anteile am Sozialprodukt feilschen, statt durch die Steigerung und Verbesserung unserer Leistung allen zu helfen. Wenn demgegenüber heute fast alle Gruppen zu gleicher Zeit vorgeben, benachteiligt zu sein, dann urteilen Sie selbst darüber, ob eine solche Behauptung glaubwürdig sein kann. Das heißt, dem Wirtschaftsminister die Hexenformel abzuverlangen: “Du musst verstehen, aus eins mach zehn!” Jeder denkt nur an sich und keiner an das Ganze! Wenn aber eine Wirtschaftsordnung – und diese Frage steht zur Entscheidung – nicht mehr um das Ganze weiß, wenn sie das Gefühl der Verantwortung verkümmern lässt und nichts mehr von Nächstenliebe atmet, kann und darf sie nicht auf Resonanz und Anerkennung hoffen. Eine Wirtschaftsordnung hat wohl in ihren Methoden, aber nicht in ihren Zielen wertfrei zu sein. Auch von der Politik drohen wir auf eine falsche Bahn zu geraten, wenn wir den Wohlfahrtsstaat immer mehr perfektionieren wollen, dabei aber die menschlichen Beziehungen und Verantwortungen innerhalb der Wirtschaft und Gesellschaft gar vollends veröden lassen. Ich spüre wohl die Unsicherheit der Menschen; ich glaube ihre seelische Not zu kennen und bin mir deshalb auch bewusst, dass wirtschaftlicher Fortschritt und materielle Sicherheit allein nicht ausreichen werden, um unsere Bevölkerung in der Bundesrepublik – d.h. Ihnen allen – das Gefühl eines Sinn erfüllenden Lebens vermitteln zu können.
Erhard-schreibt-wieder ist ein Angebot der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

2009 wird das Grundgesetz 60 und Deutschland feiert zum 20. mal seine Wiedervereinigung. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz im geteilten und zerstörten Deutschland in Kraft, das Fundament für die Erfolgsgeschichte unseres Landes. Zentraler Bestandteil darin ist die Soziale Marktwirtschaft. Sie ermöglichte das „Wirtschaftswunder“ und den nachhaltigen Aufstieg Deutschlands zu einer der wohlhabendsten Nationen der Welt. Ludwig Erhard war der geistige Vater der Sozialen Marktwirtschaft und hat sie als Politiker durchgesetzt. Eigentlich sollte Erhard in Zeiten wie diesen deshalb heute wieder in aller Munde sein. Wir von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) lassen ihn wieder schreiben…
