Die deutsche Ungeduld

Wir haben Wachstum, Aufschwung, die Reformen greifen – und doch sind die Menschen unzufrieden.

Das war noch immer die geschichtliche Tragik der Deutschen, dass sie ihre höchsten Tugenden in der Not entfalteten, sich aber den Stunden des Glücks nicht gewachsen zeigten. Während die gute Ernte sichtbar heranreift, befällt uns die Ungeduld, dann reißen wir die Früchte unreif vom Baum und verfallen in neue Not. Wer einem solchen selbst zerstörerischen Flagellantismus Vorschub oder Erfolg leistet, wird mitschuldig an der dann unausbleiblichen Tragik der Entwicklung. Hat etwa das seichte Gerede von dem “deutschen Wunder” in unseren Köpfen wirklich die mystische Vorstellung erweckt, dass wir zaubern könnten? Gerade jetzt, da wir (wieder) den groß angelegten Versuch unternehmen, die Konjunktur unter Fortdauer gesunder Währungsverhältnisse und stabiler Preise gegenüber Rückschlägen, Depressionen und Krisen abzusichern, ist es mir ein Bedürfnis, persönlich – das heißt den Menschen – anzusprechen, um Ihnen zugleich bewusstzumachen, was auf dem Spiel steht, wenn Sie in dieser Stunde der Bewährung und Entscheidung blindlings jenen folgen, die – subjektiv vielleicht sogar ehrlich – Ihre Interessen zu vertreten vorgeben, aber in der Übersteigerung Ihrer Wünsche die Volkswirtschaft im ganzen überfordern und somit alles gefährden.

Erhard-schreibt-wieder ist ein Angebot der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

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