Von der Summation der deutschen Interessen

Oskar Lafontaine und die Linkspartei wollen den Sozialismus in Deutschland wieder einführen. Dazu das politische Streikrecht, also den Generalstreik. Hartz-IV und die Rente mit 67 wären in Frankreich, argumentiert Lafontaine, schon längst auf der Strasse wegdemonstriert worden. Ob das stimmt? Auch die Franzosen sind mit Sarkozy ja scheinbar gerade noch rechtzeitig zur Besinnung gekommen und marschieren nun erstaunlicherweise genau in die entgegen gesetzte Richtung. Und

unsere Lage wäre angesichts so mancher Entartungserscheinungen schier trostlos zu nennen, wenn wir nicht alle wüssten, dass das, was in der Summation der Gruppeninteressen angeblich der Forderung des deutschen Volkes entspricht, im Grunde genommen mit dem Fühlen und Wollen, den Wünschen und Hoffnungen, den Sorgen und Befürchtungen der Menschen kaum mehr etwas gemein hat. Die effektive Aussage der Gruppen deckt sich in keiner Weise mit der Vorstellung derjenigen, in deren Namen gesprochen und gehandelt wird. An diesem soziologischen Phänomen ändern Urabstimmungen so wenig, wie ich glaube, dass im unternehmerischen Lager die Verhältnisse anders geartet wären. Es liegt mir damit jede moralische Wertung fern. Es ist auch nicht wahr, wie es wahrscheinlich behauptet werden wird, dass ich gewerkschaftsfeindlich eingestellt sei. Gerade umgekehrt habe ich die Funktion der Gewerkschaften immer anerkannt und mich stets um ein laufendes Gespräch mit dieser Institution bemüht – wohl wissend, dass eine fruchtbare sachliche Zusammenarbeit zwischen den Sozialpartnern und eine positive Haltung der Gewerkschaften zu den Organen eines demokratischen Staatswesens nicht nur nützlich, sondern sogar unverzichtbar ist.

Erhard-schreibt-wieder ist ein Angebot der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

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