Die solidarische Gesellschaft

Es ist eine einseitige und ungerechte Betrachtung, annehmen zu wollen, dass sich das Überwuchern des Materialismus nur auf die so genannten Reichen beschränken würde. Es wäre nur ein Zeichen mangelnden Mutes zur Wahrheit, nicht sehen zu wollen, dass wir als Volk im ganzen Gefahr laufen, das Wohlleben von heute höher zu bewerten als die Vorsorge und die Verantwortung für die Zukunft derer, die nach uns kommen. (…) Ich spreche hier indirekt auch von den Problemen der “Formierten Gesellschaft”, jener Gesellschaft, die sich nicht darin erschöpfen will, allein den Individualinteressen zu genügen. Die Formierte Gesellschaft verkörpert vielmehr eine Gemeinschaft, die sich in ihren Existenzfragen solidarisch weiß, die gemeinsame Ziele anstrebt und sich nicht nur von Gruppeninteressen leiten lässt. Die Formierte Gesellschaft ist darum auch eine Gesellschaft der christlichen Solidarität. Das muss immer wieder deutlicher werden. man hat mich danach gefragt, was getan werden muss, um eine Formierte Gesellschaft zu verwirklichen! Ich will darauf antworten: Die Formierte Gesellschaft setzt eine informierte Gesellschaft voraus. Wir müssen mehr tun, um den Menschen die Fakten unserer politischen, geistigen und wirtschaftlichen Existenz nahe zu bringen, damit sie sie besser verstehen und mitgestalten können. Der politischen Bildungsarbeit auch unserer Partei stellt sich hier eine große Aufgabe. Der geradezu erschreckenden Unkenntnis über selbst einfache wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge müsste schon von der Schule her begegnet werden. Nur so kann den Demagogen und politischen Kurpfuschern das Handwerk gelegt werden. was auf diesem Felde oft an bewusster Irreführung getan wird, ist kaum noch erträglich. Die Formierte Gesellschaft ist nicht schematisch konstruierbar; sie ist nicht als Aktion zu denken, sondern als Prozess zu begreifen.

Erhard-schreibt-wieder ist ein Angebot der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

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