Fatale Entwicklung

Die Steuereinnahmen steigen, die Konjunktur läuft gut, die Arbeitslosigkeit sinkt und die wirtschaftlichen Aussichten sind nicht schlecht. Und trotzdem, oder gerade deswegen, denkt die Politik wieder daran, neue soziale Wohltaten zu verteilen. Das ist eine bedenkliche Entwicklung, die

die soziale Sicherheit in allen Vorstellungsformen mit starkem kollektivistischen Trend immer mehr perfektionieren will. Dass das der Ausprägung des Leistungswillens und der Persönlichkeit nicht gerade förderlich ist und dass eine Überspitzung solchen Denkens die anschauliche Beziehung zwischen Aufwand und Ertrag, Leistung und Einkommen in trügerischer Weise zu überdecken geeignet ist, kann folglich nicht bestritten werden. Das ist das überraschende Phänomen unserer Zeit, dass in dem gleichen Maß, in dem durch die Mehrung des Wohlstands die soziale Sicherheit aus eigener Kraft sich verbessert und die Gleichförmigkeit einer nicht mehr von Risiken bedrohten ständigen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung das Gespenst sozialer Not gebannt hat, der Schrei nach noch immer mehr kollektiver Sicherheit nur immer lauter erschallt. Dafür mag es besonders im Hinblick auf tragische politische Erfahrungen manche Erklärungen geben, aber gleichwohl gehen sie am eigentlichen Kern des Problems vorbei, weil kein Staat und keine Volkswirtschaft mehr soziale Gaben ausstreuen können, als ein Volk erarbeitet.

Erhard-schreibt-wieder ist ein Angebot der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

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