60 Jahre Soziale Marktwirtschaft

Auf der Festveranstaltung “60 Jahre Soziale Marktwirtschaft” am 12. Juni 2008 im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin warnt der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Professor Dr. Hans Tietmeyer, vom marktwirtschaftlichen Pfad Ludwig Erhards abzuweichen. Zur Rede von Professor Dr. Hans Tietmeyer.

Ich erkenne in dem Ordnungssystem der Sozialen Marktwirtschaft die ökonomische Grundlage eines demokratischen Staatswesens, das als unantastbaren Wert die menschliche Freiheit setzt. Es ist darum auch eine fast banale Selbstverständlichkeit, dass eine marktwirtschaftliche Ordnung auf dem Prinzip der Freiheit und Freizügigkeit beruht. Von einem freien Markt kann allerdings nur dann und so lange gesprochen werden, als ein freier Leistungswettbewerb und eine freie Preisbildung Motor und Steuerungsmittel der Wirtschaft sind. Der Wettbewerb ist damit unlöslich Bestandteil, ja innerstes Element einer markt-wirtschaftlichen Ordnung, so dass seine Eliminierung, Beeinträchtigung oder Behinderung schlechthin zu einer Sprengung des Systems überhaupt führen müssten (…).
Freiheit, Selbstverantwortung und persönliche Initiative bei der Berufswahl, Erwerbstätigkeit und dem Konsum, die jedem als Produzenten und als Verbraucher die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Chancen eröffnen, sowie eine leistungsbedingte Einkommensverteilung sind die Antriebskräfte, die in der Marktwirtschaft zu einem Höchstmaß an Produktion und einer Steigerung des Wohlstands der gesamten Bevölkerung führen. Die Marktwirtschaft ist damit diejenige Wirtschaftsordnung, die ein Maximum an Produktivität, Wohlstandsmehrung und persönlicher Freiheit verbindet.

Bundeskanzlerin Merkel hebt in ihrer Rede zum Jubiläum “60 Jahre Soziale Marktwirtschaft” die Bedeutung von Bildung hervor. Erhards Motto “Wohlstand für alle” erweitert Merkel: “Wohlstand für alle heißt heute Bildung für alle”. Merkel weiter über den Begründer der Sozialen Marktwirtschaft: “Erhard dachte nicht in den Kategorien des Status quo. Erhard sah die Energie der Eigeninitiative. Erhard spürte die Kraft der Freiheit. Um das zentrale Versprechen seiner sozialen Marktwirtschaft für jeden einzelnen Menschen einzulösen: Einstieg und Aufstieg zu ermöglichen, entsprechend den individuellen Fähigkeiten und Neigungen”. Zur Rede der Bundeskanzlerin.

Wirtschaft und Bildung als eigenständige Bereiche im gesellschaftlichen und staatlichen Leben haben mehr gemeinsame innere Beziehungen und verwandte Ziele, denen sie dienen, als es auf den ersten Blick und bei nur oberflächlicher Betrachtung scheinen mag (…).
Den stetigen Wandel der materiellen und geistigen Lebensbezüge, der persönlichen und gesellschaftlichen Lebensform in einer sich ständig verändernden technischen Welt erfährt der Mensch der Gegenwart mit einer Dymamik wie nie zuvor, die sich auch in der Zukunft noch verstärken wird.
Hier wird die Erkenntnis deutlich, dass das Problem der Bildung unseres Volkes schicksalhaft ist für den Ablauf und die Folgen dieser technischen und wirtschaftlichen Entwicklung. Es kann sich dieser Entwicklung gegenüber nur behaupten und sie meistern, wenn es durch eine – auf diese sich wandelnde Zukunft – ausgerichtete Bildung und Erziehung vorbereitet wird.

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