Was genau war das Erfolgsgeheimnis des Wirtschaftswunders?

Zunächst einmal war es – darauf bestand auch Erhard- kein “Wunder”, sondern schlicht das Ergebnis einer Wirtschaftspolitik, die günstige Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln und freien Wettbewerb schuf. Das hat die Wirtschaft zu einem Investitionsschub motiviert. Mit der neuen Technik ließ sich viel schneller und billiger produzieren. Waren Made in West-Germany hatten nicht nur eine gute Qualität, sie schnitten im internationalen Wettbewerb auch beim Preis hervorragend ab – nicht zuletzt auch, weil die Löhne in Westdeutschland im Vergleich zum Ausland zunächst niedrig blieben. Die zweifellos großen Gewinne vieler Unternehmen in den frühen Jahren der Marktwirtschaft wurden nicht gleich in den Konsum gesteckt. Vielmehr flossen große Summen gleich wieder in die Betriebe – für neue, noch modernere und effektivere Anlagen.

Erst ab 1952 zogen auch die Arbeitnehmereinkommen an – dann aber gleich so sehr, dass Erhard um die Stabilität seiner D-Mark fürchtete und 1956 Maßnahmen gegen Preistreiberei auf den Weg brachte. 1958 erzielten die Gewerkschaften immerhin Lohnsteigerungen von über 8 Prozent!

Mit dem neuen Wohlstand bekam auch der Konsum – von Erhard als Grundrecht verkündet – einen neuen Stellenwert. Als erstes kam die Fresswelle. Für viele Haushalte war ein Kühlschrank Ziel aller Begierden, konnte doch mit ihm die neuen maschinell hergestellten Lebensmittel frischgehalten werden. Mit frischer Ananas im Kühlschrank rückten die Träume vom Urlaub im Süden zumindest geschmacklich näher. Realisiert werden konnten sie erst mit der folgenden Motorisierungs- und Reisewelle. Gab es 1950 grade mal 500.000 Autos in Westdeutschland, so waren es 1960 über vier Millionen. Der Käfer brachte die Deutschen nach Italien – für die meisten war es der erste Auslandsurlaub überhaupt.

Der wirtschaftlicher Erfolg ermöglichte auch den Ausbau des Sozialen in der Marktwirtschaft: Die Rentenreform brachte eine Anhebung der Renten um 60 Prozent! Die Sozialversicherung garantierte erstmals ein Leben oberhalb des Existenzminimums, und die Gewerkschaften konnten auch ihre Forderungen nach Mitbestimmung in den Unternehmen durchsetzen.

Für viele Deutsche in der Nachkriegszeit kam der Erhardsche “Wohlstand für alle” spät und blieb bescheiden. Doch trotz dieser Verteilungsungerechtigkeit blieben die Wirtschaftswunderjahre bis zur ersten Wachstumskrise 1966/67 als Legende im Bewusstsein: Einen solchen Entwicklungsschub gab es in Deutschland bis heute nie wieder.

Mehr zu Ludwig Erhard und dem Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft finden Sie auf der Seite der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) unter www.insm.de